Косоглазие
1.1.2 Topografische Anatomie des Orbitainhalts

Die Orbita lässt sich in 3 Etagen gliedern, die in frontoparallelen Schnitten deutlich werden. An der Orbitaspitze (▶Abb. 1.3) ist ein bindegewebiger Ring, der Anulus tendineus communis, fest mit dem Knochen verwachsen und überbrückt an zwei Stellen die Fissura orbitalis superior. Dieser Sehnenring bildet den Ursprung aller geraden Augenmuskeln, des M. levator palpebrae und des M. obliquus superior. Diese geraden Augenmuskeln und die Membrana intermuscularis bilden den Muskelkonus, der sich nach vorne erweitert und die Orbita in einen intrakonischen und einen extrakonischen Raum teilt (▶Abb. 1.3, ▶Abb. 1.4). Die obere (extrakonische) Etage enthält den N. trochlearis und den N. frontalis (▶Abb. 1.5) und die untere (ebenfalls extrakonische) Etage im Canalis infraorbitalis nur den N. infraorbitalis. In der mittleren (intrakonischen) Etage verlaufen alle anderen Nerven und Gefäße (▶Abb. 1.6).

Das Versorgungsgebiet des N. trigeminus, d. h. die Versorgung des Gesichts, zeigt ▶Abb. 1.7.

Merke
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  • N. trochlearis, N. frontalis und N. lacrimalis ziehen durch die obere Etage der Fissura orbitalis superior und verlaufen extrakonisch.

  • Der N. oculomotorius, der N. nasociliaris und der N. abducens liegen in der mittleren Etage und verlaufen mit dem N. opticus und der A. ophthalmica intrakonisch.

Die sehnige Abgrenzung zweier Nervengruppen erklärt das unterschiedliche Erscheinungsbild bestimmter Syndrome ( → Orbitaspitzensyndrom, → Fissura-orbitalis-superior-Syndrom).

Darüber hinaus wird der Orbitainhalt durch septenartiges Bindegewebe, das von den Augenmuskeln zur Periorbita zieht, zusätzlich gekammert [48], [49], [50]. Im vorderen Teil der Orbita werden sowohl die bindegewebigen Verbindungen zwischen den Augenmuskeln (Membrana intermuscularis) als auch die Verbindungen zwischen den Augenmuskeln und der Periorbita dichter. Die stärksten

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Abb. 1.4 Orbita. Frontalschnitt durch den hinteren Teil der rechten Orbita.

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Abb. 1.5 Obere Etage der rechten Orbita nach Entfernung des Orbitadachs. In der Fissura orbitalis superior verläuft medial aus der Seitenwand des Sinus cavernosus kommend der N. trochlearis (N IV) und tritt mit 3–4 Zweigen von oben in den M. obliquus superior ein. Weiter lateral folgen die oberen Äste des N. ophthalmicus (N V1), der sich vor oder in der Fissura orbitalis superior in seine 3 Äste N. frontalis, N. lacrimalis und N. nasociliaris aufspaltet. Der letztgenannte zieht noch in der Fissura orbitalis superior nach unten in die mittlere Etage der Orbita (▶Abb. 1.6). Der N. frontalis verläuft auf dem M. levator palpebrae nach vorn und versorgt sensibel Stirn, Oberlid und medialen Lidwinkel. Am weitesten lateral liegt der N. lacrimalis, der über den M. rectus lateralis hinweg zur Tränendrüse zieht, wo er eine Anastomose mit dem N. zygomaticus bildet und die Tränendrüse versorgt. Unter diesen Nerven und begleitenden Gefäßen liegen am weitesten medial der M. obliquus superior, etwa in der Mitte der M. levator palpebrae, den M. rectus superior größtenteils bedeckend, und am weitesten lateral der M. rectus lateralis und die Glandula lacrimalis (Tränendrüse). (Quelle: Schünke M, Schulte E, Schumacher U. Prometheus. LernAtlas der Anatomie. Kopf, Hals und Neuroanatomie. Illustrationen von M. Voll und K. Wesker. 5. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2018)

Faserzüge werden Haltebänder genannt. Dieses dreidimensionale, bindegewebige Netz in der Orbita bewirkt Augenbewegungsstörungen auch dann, wenn nicht die Augenmuskeln, sondern nur diese Septen in ihrer Beweglichkeit behindert sind. Letzteres kann durch Entzündungen, Hämatome, neoplastische Prozesse und Orbitafrakturen eintreten. Alle Bindegewebe, Augenmuskeln, Nerven und Gefäße sind in den retrobulbären Fettkörper eingebettet, der sich sowohl intrakonisch als auch extrakonisch erstreckt (▶Abb. 1.4, ▶Abb. 1.8) und bei Augenbewegungen die Verlagerung von Augenmuskeln, Sehnerv, anderen Nerven und Gefäßen ermöglicht. Die vordere Begrenzung des retrobulbären Fettkörpers wird von der Tenon-Kapsel und dem Septum orbitale (▶Abb. 1.9) gebildet.

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Abb. 1.6 Mittlere Etage der rechten Orbita nach teilweiser Entfernung von M. levator palpebrae, M. rectus superior und N. ophthalmicus. Der N. nasociliaris (aus dem N. ophthalmicus) verläuft im Muskeltrichter zum inneren Lidwinkel und gibt Äste zum Ganglion ciliare und die Nn. ciliares longi ab, die mit dem N. opticus den Bulbus erreichen und sensibel versorgen. Der N. oculomotorius (N III) gelangt aus der Seitenwand des Sinus cavernosus in den Muskeltrichter und teilt sich in 2 Äste, von denen der obere zu M. rectus superior und M. levator palpebrae, der untere zwischen N. opticus und M. rectus inferior nach vorn verläuft und den M. rectus medialis, den M. rectus inferior und den M. obliquus inferior versorgt. Am weitesten lateral, dicht neben dem M. rectus lateralis auf dessen medialer Seite, liegt der N. abducens (N VI). (Quelle: Schünke M, Schulte E, Schumacher U. Prometheus. LernAtlas der Anatomie. Kopf, Hals und Neuroanatomie. Illustrationen von M. Voll und K. Wesker. 5. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2018)

Abb. 1.7 Sensible Versorgung des Gesichts (Versorgungsgebiet des N. trigeminus). Der intraorbitale Verlauf ist gelb markiert.

Die vordere Begrenzung der Orbita bilden die Augenlider (▶Abb. 1.9), denen jeweils eine bindegewebige, knorpelartige Platte, der Tarsus, die notwendige Festigkeit gibt. Der Tarsus hat eine Breite von etwa 25 mm, eine

Dicke von 1 mm, im Oberlid eine Höhe von 10 mm und im Unterlid von 5 mm. Zwischen Periorbita und Tarsus erstreckt sich hinter dem M. orbicularis oculi das bindegewebige Septum orbitale. Im Oberlid bildet die Sehne des M. levator palpebrae eine fächerartige Sehnenplatte, die Levatoraponeurose, die in das Septum orbitale und die Tarsusaußenfläche einstrahlt. Hier ermöglicht ein Teil des Fettkörpers die Bewegungen der Aponeurose gegenüber der Periorbita. Septum orbitale, Tarsus und im Oberlid die Aponeurose des M. levator palpebrae bilden den bindegewebigen vorderen Abschluss der Orbita. Diese