Косоглазие

1 Normales Binokularsehen

1.1 Anatomie und Physiologie der Orbita und des Bewegungsapparats

H. Kaufmann, H. Steffen

1.1.1 Anatomie der Orbita

Die knöcherne Augenhöhle (Orbita) hat die Form einer unregelmäßigen Pyramide, deren Spitze am orbitalen Ende des Sehnervenkanals (Canalis opticus) liegt und deren Basis vom Orbitarand gebildet wird (▶Abb. 1.1). Die Achse durch das Ende des Canalis opticus und die Mitte des Orbitadurchmessers nennt man die Orbitaachse. Beide Orbitaachsen konvergieren nach hinten und kreuzen sich etwa am Türkensattel (▶Abb. 1.2). Man unterscheidet 4 etwa dreieckige Wände, die aus dünnen (teilweise papierdünnen) Knochenlamellen bestehen. Sie sind von einem derben Periost überzogen, der Periorbita.

Das Orbitadach trennt die Orbita von der vorderen Schädelgrube. Der Orbitaboden enthält den Canalis infra-orbitalis und trennt die Orbita von der darunterliegenden Kieferhöhle. Seine Wanddicke beträgt teilweise nur etwa 0,1 mm. Auch die mediale Orbitawand, insbesondere der vom Siebbein gebildete Wandanteil, ist sehr dünn und grenzt die Orbita von den Siebbeinzellen ab. Die laterale Orbitawand ist unter den 4 Orbitawänden die dickste, widerstandsfähigste und nur selten pneumatisiert.

Die unmittelbare Nachbarschaft der Orbita zu Nasenhöhle und Nasennebenhöhlen erklärt ihre häufige Mitbeteiligung an entzündlichen und neoplastischen Prozessen. Mediale Orbitawand und Orbitaboden sind wegen der geringen mechanischen Widerstandsfähigkeit bei Schädigungen sehr gefährdet.

Merke
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Verbindungen der Orbita mit anderen Körperhöhlen:

  • Canalis opticus mit der mittleren Schädelhöhle ↔ Sehnerv (N. opticus, N II) und A. ophthalmica

  • Fissura orbitalis superior mit der mittleren Schädelhöhle ↔ N. oculomotorius, N III; N. trochlearis, N IV; N. abducens, N VI; N. ophthalmicus (1. Ast des N. trigeminus, N V1) und V. ophthalmica superior

  • Fissura orbitalis inferior mit der Flügelgaumengrube ↔ N. infraorbitalis (aus dem N. maxillaris, N V2), V. ophthalmica inferior

  • Canalis infraorbitalis mit der Wange ↔ N. infraorbitalis

  • Canalis nasolacrimalis mit der Nasenhöhle

Mehrere natürliche Öffnungen verbinden die Orbita mit ihrer Nachbarschaft. Der kleine Keilbeinflügel enthält den Canalis opticus (Sehnervenkanal). Zwischen dem kleinen und großen Keilbeinflügel bleibt eine Spalte, die Fissura orbitalis superior (▶Abb. 1.1). Sie ist etwa 20 mm lang und bis zu 6 mm breit und wird durch einen Sehnenring, den Anulus tendineus communis in mehrere Etagen unterteilt (▶Abb. 1.3). Die Fissura orbitalis inferior (▶Abb. 1.1), ein etwa 30 mm langer und bis zu 5 mm breiter Spalt zwischen großem Keilbeinflügel und Maxilla, öffnet die Orbita zu Flügelgaumengrube (Fossa pterygopalatina) und Schläfengrube. Sie wird vom M. orbitalis netzartig bedeckt, dessen glatte Muskelfasern den intra-orbitalen Druck stabilisieren, wenn bei Kontraktion der Lid- und Augenmuskeln der Orbitainhalt nach hinten geschoben wird. An der Fissura orbitalis inferior beginnt eine offene Rinne, die im Orbitaboden nach vorne zieht und sich zum Canalis infraorbitalis schließt, der unterhalb des unteren Orbitarands im Foramen infraorbitale mündet (▶Abb. 1.1), wo der hier austretende N. infraorbitalis die Wange erreicht (Druckpunkt für 2. Trigeminusast). Der obere Orbitarand zeigt einen Einschnitt oder ein Loch (Incisura supraorbitalis oder Foramen frontale, Druckpunkt für 1. Trigeminusast) für die Endäste des N. frontalis auf ihrem Weg zur Stirn. Im nasal-unteren Teil liegt hinter dem Orbitarand eine Grube (in der der Tränensack liegt), die sich nach unten im Canalis nasolacrimalis (Tränennasengang) fortsetzt.

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Abb. 1.1 Rechte Orbita, Ansicht von vorn lateral. Im Mittel beträgt die Tiefe bei Erwachsenen etwa 42 mm, die Breite (horizontaler Durchmesser am Orbitarand) etwa 40 mm und die Höhe (vertikaler Durchmesser) etwa 35 mm bei einem Volumen von etwa 27 cm3. Das Orbitadach wird vorne vom Stirnbein (Os frontale), hinten vom kleinen Keilbeinflügel (Ala minor ossis sphenoidalis) gebildet. Das Stirnbein schließt die Stirnhöhle ein. Der Orbitaboden besteht aus dem oberen Teil des Oberkiefers (Maxilla), in einem kleineren lateralen Teil aus dem Jochbein (Os zygomaticum) und hinten aus einem sehr kleinen Fortsatz des Gaumenbeins (Os palatinum). Die mediale Orbitawand setzt sich in ihrem vorderen Teil aus einem Fortsatz des Oberkiefers, aus dem Tränenbein (Os lacrimale), dem Siebbein (Os ethmoidale) und der Vorderfläche des Keilbeinkörpers (Os sphenoidale) zusammen. Die laterale Orbitawand wird von Jochbein (Os zygomaticum) und großem Keilbeinflügel (Ala major ossis sphenoidalis) gebildet.

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Abb. 1.2 Winkel zwischen lateraler und medialer Orbitawand, Orbitaachse und Sehachse.

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Abb. 1.3 Orbitaspitze. Schematische Darstellung der topografischen Verhältnisse im Bereich des Canalis opticus und der Fissura orbitalis superior.