Merke
1 Grad = 1° = 60 Winkelminuten (60‘)
1 Winkelminute = 60 Winkelsekunden (60")
Punktsehschärfe
Als Punktsehschärfe bezeichnen wir den Kehrwert des kleinsten Gesichtswinkels (Minimum visibile) in Winkelminuten, unter dem ein dunkles Objekt auf hellem Grund wahrnehmbar ist (▶Abb. 1.47).
Durch Abbildungsfehler der brechenden Medien werden kleine Punkte der Außenwelt als unterschiedliche geometrische Flächen auf der Netzhaut abgebildet. Deren Durchmesser kann nicht unter ca. 35“ absinken, wenn man den Radius über den Ort definiert, an dem die Leuchtdichte nur noch halb so hoch ist wie am Mittelpunkt [12], [18], [77]. Die Sichtbarkeit sehr kleiner Objekte ist daher nicht durch die Bildgröße, sondern durch den Bildkontrast auf der Netzhaut limitiert. Das Bild eines Punktes hebt sich umso weniger von der Umgebung ab, je kleiner der Punkt ist. Ein dunkler Punkt ist bei idealem Kontrast ab ca. 15“ Durchmesser sichtbar. Das Bild kleinerer Punkte wird von der Umgebung überstrahlt. Ein heller Punkt in dunklem Umfeld ist unter beliebig kleinem Winkel wahrnehmbar, seine Lichtintensität muss nur ausreichen, mindestens einen Photorezeptor überschwellig zu reizen.
Abb. 1.47 Minimum visibile. Ein Objekt wird erst sichtbar, wenn es auf der Netzhaut einen Helligkeitsunterschied erzeugt, der größer ist als die Lichtunterschiedsempfindlichkeit. Ein zu kleiner schwarzer Punkt wird auch bei optimalem Kontrast nicht mehr wahrgenommen, weil sein Netzhautbild durch Streulicht überlagert ist.
Auflösungssehschärfe
Die Auflösungssehschärfe ist durch den Kehrwert des kleinsten Gesichtswinkels (Minimum separabile = minimaler Auflösungswinkel = Minimum Angle of Resolution, MAR) definiert, unter dem zwei Punkte oder Linien gerade noch getrennt erscheinen.
Merke
Auflösungssehschärfe = 1/Minimum separabile
Nähern sich 2 Punkte auf weniger als ca. 30“, zeigt ihr unscharfes Netzhautbild nur noch eine einzige Helligkeitsmulde, die Auflösung ist nicht mehr möglich. Damit sie getrennt wahrgenommen werden, muss zwischen den zwei stimulierten Rezeptoreinheiten mindestens eine Einheit durch die Lücke zwischen den Punkten stimuliert werden. Die Auflösungssehschärfe ist also durch die Kontrastempfindlichkeit, die Abbildungsunschärfe und die Rezeptordichte begrenzt. Der Durchmesser der fovealen Photorezeptoren von 30“ entspricht der durch die Abbildungsschärfe möglichen Auflösung. Der Mensch erreicht daher keinen wesentlich höheren Visus als 2,0. Der durchschnittliche Visus augengesunder junger Erwachsener liegt zwischen 1,25 und 1,6 (▶Abb. 1.48).
Sehobjekt
(2 Punkte)
Leuchtdichteprofil abbildende Optik
Leuchtdichteprofil des Netzhautbildes
Abb. 1.48 Minimum separabile. Um 2 Punkte als getrennt unterscheiden zu können, muss mindestens eine rezeptive Einheit durch den Helligkeitsunterschied des Intervalls zwischen ihren Netzhautbildern überschwellig gereizt werden. Die Mulde zwischen den Helligkeits- bzw. Dunkelgipfeln muss dazu tief genug sein.




