Косоглазие
Prüfung des vestibulookulären Reflexes

Man lässt den Patienten kleine Optotypen lesen und for-dert ihn auf, seinen Kopf mit zunehmender Frequenz hin und her zu drehen. Damit prüft man den horizontalen VOR. Zur Prüfung des vertikalen VOR lässt man den Patienten nicken. Dabei kommt es zu Ausgleichsbewegungen, die auch als Puppenkopf-Phänomen bezeichnet werden.

Als gestört ist der VOR zu bewerten, wenn der Patient Scheinbewegungen und Verschwommensehen bei allmählicher Frequenzsteigerung der Kopfdrehung früher bemerkt als der Untersucher, der – unauffällig hinter dem Patienten stehend – seinen VOR vergleichend prüft [62]. Als weiterer Test ist der Drehimpulstest nach Halmagyi zu empfehlen, der in Kap. 4.3.7 erklärt wird.

Für eine getrennte Prüfung des rechten und linken Gleichgewichtsorgans ist eine kalorische Spülung des Gehörgangs erforderlich (▶Abb. 1.45).

Hinweise zur Prüfung des VOR bei Säuglingen sind in Kap. Entwicklung der Augenbewegungen im Säuglingsalter zu finden.

Рисунок со страницы 51
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Abb. 1.44 Prüfung auf Spontannystagmus mit der Frenzel- Leuchtbrille. Der Proband siehtFrenzel-Leuchtbrille keine Konturen, da der Untersuchungsraum abgedunkelt ist und er durch schläfenwärts im Brillengehäuse angebrachte Glühbirnchen geblendet ist. Die hier gezeigte Modifikation der Leuchtbrille nach Blessing [4] ist zu bevorzugen, weil sie ein weißes Gehäuse hat, das viel Streulicht reflektiert. Dadurch kann der Proband die Purkinje-Aderfigur nicht sehen. Deren Beachtung würde Augenbewegungen auslösen, die mit einem Nystagmus verwechselt werden könnten.

Abb. 1.45 Kalorische Vestibularisprüfung. Bei zurückgelegtem Kopf wird durch Spülung des äußeren Gehörgangs mit Wasser von 44°C der seitliche Anteil des horizontalen Bogengangs erwärmt. Dadurch zirkuliert die Endolymphe, denn warme Endolymphe ist leichter und steigt, während kalte Endolymphe schwerer ist und fällt. Obwohl die Zirkulation nur winzig ist, reicht sie aus, um die Sinneshaare in der Kupula-Membran abzubiegen.

Physiologische Grundlagen

Mit dem VOR erreicht das Auge Geschwindigkeiten bis zu 300°/s. Bei aktivem Hin- und Herdrehen des Kopfes funktioniert der Reflex bis zu einer Frequenz von 6 Hz. In Dunkelheit ist der VOR abgeschwächt, es sei denn, man fordert den Probanden dazu auf, sich ein stationäres Fixierobjekt vorzustellen.

Im Gegensatz zu den Augenfolgebewegungen gibt es beim VOR keine Regelung. Die Augenfolgebewegungen werden der Geschwindigkeit des fixierten Objekts prompt angepasst. Folgen die Augen zu langsam oder zu schnell, bewirkt die Verschiebung des Netzhautbilds einen Korrekturbefehl. Beim VOR gibt es statt der sofort wirkenden Regelung nur eine Nacheichung, für die das Gehirn einige Minuten Zeit braucht [9]. Von dieser Nacheichung kann man sich mit einem Selbstversuch überzeugen: Setzt man sich Gläser von etwa + 5,0 sph in einem Brillengestell vor die Augen und dreht den Kopf, so nimmt man eine Verschiebung des Netzhautbilds als Scheinbewegung wahr, denn der VOR ist zunächst zu schwach, um die prismatische Nebenwirkung der Plusgläser auszugleichen. Es erfolgt jedoch eine Umeichung. Innerhalb von etwa 30 Minuten passt das Gehirn den VOR so an, dass die Scheinbewegung aufhört. Das Umschalten zwischen 2 Eichungen kann auch trainiert werden. Daher leiden Fehlsichtige kaum unter Schwindelerscheinungen, wenn sie zwischen Brillenkorrektion (mit prismatischer Nebenwirkung) und Kontaktlinsen (ohne prismatische Nebenwirkung) hin und her wechseln.

Ein Nystagmus entsteht, wenn die Drehbeschleunigung des Kopfes länger als 0,2 Sekunden anhält. Dann wechseln sich kompensatorische langsame Phasen und rückstellende rasche Phasen ab.

Bei der Kopfneigung zur Schulter kommt es zu einer Gegenrollung um die sagittale Achse. Dabei ist ein statischer von einem dynamischen Reflex zu unterscheiden. Der statische VOR wird von der Schwerkraft auf den Otolithenapparat bestimmt. Man spricht daher vom Otolithenreflex: Bei anhaltender Neigung des Kopfes zu einer Schulter verbleiben die Augen in Gegenrollung. Zwischen Rechts- und Linksneigung um je 45° beträgt der Rollungsunterschied etwa 11° [54]. Da die Gegenrollung nur einen kleinen Teil des Neigungswinkels ausgleicht, werden senkrechte Sehkonturen bei Kopfneigung zur Schulter nicht auf dem 12-Uhr-Meridian der Netzhaut abgebildet. Dennoch nimmt man die Umwelt aufrecht wahr. Der Grund: Der Otolithenapparat und die Proprio-zeptoren des Halses melden dem Gehirn die Lage des Kopfes. Aufgrund dieser Meldungen deutet das Gehirn das Netzhautbild um.

Beim dynamischen VOR wird die Gegenrollung von den Bogengängen ausgelöst. Man kann den dynamischen Reflex gut beobachten, wenn man den Kopf einer Versuchsperson zwischen rechter und linker Schulter rasch hin und her neigt und dabei die Gegenrollung der Augen an den Strukturen der Iris oder an den Bindehautgefäßen verfolgt. Das Ausmaß der Gegenrollung ist während der dynamischen Kopfneigung zur Schulter viel höher als bei anhaltender, statischer Neigung. Die der Neigungsgeschwindigkeit des Kopfes bis zu 70 % angepasste Gegenrollung wird durch gegenläufige rasche Phasen unterbrochen, so dass ein rotatorischer Nystagmus zustande kommt.

Akkommodative und fusionale Vergenz

Die Vergenz dient dazu, die Augen so auszurichten, dass Fixationsobjekte auf korrespondierenden Netzhautstellen abgebildet werden.

Die akkommodative Vergenz wird durch Annäherung oder Entfernung eines Sehobjekts ausgelöst. Dabei meldet die Netzhaut die entstehende Unschärfe des Bildes. Die fusionale Vergenz kommt durch disparate Reizung beider Netzhäute zustande. Unter natürlichen Sehbedingungen arbeiten die akkommodative und die fusionale Vergenz zusammen.

Mit der horizontalen Vergenz sind die Akkommodation und die Pupillenweite gekoppelt, so dass man von einer Naheinstellungstrias spricht.

Nachfolgend wird der Bewegungsablauf bei der Vergenz besprochen. Die statische Beziehung zwischen Vergenz und Akkommodation ist im Kapitel über die Heterophorie (Kap. 2.2) nachzulesen.

Im täglichen Leben ist der Wechsel zwischen Nah- und Fernblick meist mit einer Blickwendung verbunden, so z. B. wenn man von einer Uhr links hinten an der Wand auf eine Tasse rechts vorne auf dem Tisch schaut. In diesen Fällen führen die beiden Augen verschieden große Sakkaden aus, so dass sich die Vergenz sehr schnell ändert [20].