Косоглазие
Konstanzverfahren
(Constant-Stimulus-Methode)

Beim Konstanzverfahren wird der Prozentsatz richtiger Antworten für eine bestimmte Optotypengröße festgestellt, indem eine große Zahl von Sehzeichen einer Größe angeboten wird. Es sind sehr viele Darbietungen nötig, um aus dem Prozentsatz der jeweils richtigen Antworten eine psychometrische Funktion mit genügender Genauigkeit ableiten zu können. Die Visusbestimmung nach DIN 58220 ist eine Abkürzung des Konstanzverfahrens [60], [61].

Zahl der Durchgänge

1,00
0,80
0,63
0,50○
0,40+○○
0,32○+++○
0,25++○+++
0,20++++++
0,16++++++
0,12++++++
0,10++++++
123456

Abb. 1.61 Grenzmethode. + : richtige Antwort, o: falsche Antwort. Nacheinander erfolgen mehrere (hier 6) Bestimmungen nach dem Kriterium 1/1, d. h. wenn die Antwort auf ein Sehzeichen richtig ist, wird zur nächsthöheren Visusstufe fortgeschritten, bis eine falsche Antwort erfolgt. Damit endet der Durchgang, und es wird wieder mit einem großen Sehzeichen begonnen. Die Ergebnisse mehrerer Durchgänge werden geometrisch gemittelt, hier: MW logMAR = (0,6 + 0,4 + 0,7 + 0,5 + 0,5 + 0,6) : 6 = 0,55 logMAR = 0,55 → Visus = 10–0,55 ≈ 0,28

Grenzmethode

Bei der Grenzmethode wird jeweils nur 1 Zeichen jeder Größe angeboten. Man beginnt mit einer sicher erkennbaren Optotype und stoppt bei der ersten falschen Antwort. Dies wird mehrfach wiederholt. Der Visus ergibt sich als Mittelwert der Werte der letzten richtigen Antworten (Transitionspunkte) in jedem Durchgang (▶Abb. 1.61). Der Patient wird dadurch nicht lange im unangenehmen Schwellenbereich gefordert, sondern erhält regelmäßig Zeichen, die er wieder gut erkennen kann. Die Standardabweichung der Einzelwerte ist ein Maß für die Zuverlässigkeit des Messwerts.

Stufenstrategie (Staircase-Methode)

Durch die Stufenstrategie wird das Aufsuchen des Schwellenbereichs abgekürzt (Suchphase), um dort das Gros der Antworten zu sammeln (Messphase). Das Vorgehen ist beispielhaft in ▼Abb. 1.62 dargestellt. Der ermittelte Sehschärfewert hängt von den Kriterien ab, nach denen der Messvorgang festgelegt ist. Die Stufenstrategie wird vor allem beim Preferential-Looking eingesetzt.

Herstellungsmethode

Die Herstellungsmethode kommt im Prinzip zur Anwendung, wenn die Sehzeichen auf einer Tafel zu klein sind und die Tafel angenähert wird, bis der Patient die größten Zeichen erkennt. Viele Personen antworten erst dann, wenn sie die Sehzeichen sicher erkennen. Deshalb sollte man in der gefundenen Entfernung nach der Forced- Choice-Strategie auch auf den folgenden, schwierigeren Zeilen prüfen.

Рисунок со страницы 68

Reihenfolge der Darbietungen

Abb. 1.62 Stufenstrategie. + : richtige Antwort, o: falsche Antwort. In der Suchphase wird die Sehzeichengröße nach 2 korrekten Antworten auf einer Visusstufe um 2 Stufen reduziert. In der Messphase, die nach der 2. falschen Antwort beginnt, wird nach 1 falschen Antwort 1 Visusstufe tiefer fortgefahren, nach 2 korrekten Antworten 1 Stufe höher. Das Ende der Messphase kann durch unterschiedliche Kriterien definiert sein, z. B. nach einer bestimmten Zahl von Darbietungen oder Richtungsänderungen (↑) oder Paaren (in diesem Beispiel 6 Paare) richtiger Antworten. Die Sehschärfe kann als geometrisches Mittel aller Darbietungen in der Messphase bestimmt werden (hier: 0,29).

Best-PEST-Strategie

Das Verfahren der Best Parameter Estimation by sequential Testing beruht darauf, dass man eine psychometrische Funktion wie in ▶Abb. 1.60 voraussetzt und die Kurve nach jeder Antwort auf ein Sehzeichen nach rechts bzw. links so weit verschiebt, dass sie am besten zu allen bisherigen Antworten passt. Dies ist im Freiburger Visustest realisiert [2]. Ein Nachteil ist, dass Fehler durch Unacht-samkeit starken Einfluss haben können. Für wenig kooperative Patienten ist die Strategie daher ungeeignet. Bei guter Mitarbeit sind die kurze Untersuchungszeit und die Unabhängigkeit vom Untersucher vorteilhaft.

Prüfung nach DIN 58220–3, EN ISO 8596

Die DIN 58220–3 beschreibt ein Verfahren zur Messung der Sehschärfe für die Ferne unter Tageslichtbedingungen für gutachtliche Zwecke und Zulassungsverfahren [19]. Sie ist nicht als Norm für klinische Messungen oder zur Bestätigung von Blindheit oder Sehbehinderung vorgesehen. In der Norm sind vorgeschrieben:

  • Untersuchungsabstand (≥4 m)

  • Testfeldgröße ( $\varnothing$ 2,0°-5,0°)

  • Testfeldleuchtdichte (80–320 cd/m2)

  • Zeichenkontrast (L Optotype < 0,15 L Testfeld )

  • Optotypenabstand (> 15‘, abhängig von der Visusstufe)

  • Abstand der Optotypen vom Testfeldrand (0,5°)

  • Vorgehen bei der Visusbestimmung

Als Sehzeichen ist der Landoltring [48] mit 8 möglichen Orientierungen vorgeschrieben. Bei 3 von 5 gezeigten Ringen muss die Öffnung horizontal oder vertikal sein. Für Sehschärfewerte von 0,05–0,1 ist eine Mindestanzahl von 2, für Werte von 0,12–0,2 von 3 und ab einem Wert von 0,25 von 5 Darbietungen gefordert. Zur genauen Bestimmung bei geringem Visus ist eine Verkürzung der Prüfdistanz erlaubt. Die bevorzugte Zahl von Darbietungen beträgt 5, 8 oder 10. Das Kriterium bestanden liegt dann bei 3, 5 oder 6 korrekt benannten Zeichen. Die Prüfung ist beim ersten Sehschärfewert, bei dem dieses Kriterium unterschritten wird, zu beenden. Der Patient muss jedes dargebotene Zeichen benennen (Forced-Choice).