Der M. rectus superior zieht unter dem M. levator palpebrae nach vorn lateral und ist an seiner Unterseite der A. und V. ophthalmica und dem N. nasociliaris benachbart. An seiner lateralen Kante liegen N. lacrimalis und A. lacrimalis. Intrakapsulär verläuft er auf der Sehne des M. obliquus superior. Der M. rectus inferior ist an seiner bulbuszugewandten Seite dem unteren Ast des N. oculomotorius, an seiner Unterseite dem Canalis infraorbitalis mit den gleichnamigen Nerven und Gefäßen benachbart. Die Insertionen der geraden Vertikalmotoren sind insgesamt nach lateral verschoben, so dass etwa zwei Drittel lateral des vertikalen Meridians liegen (▶Abb. 1.15).
Der M. rectus medialis entspringt unmittelbar neben dem N. opticus, ist an der Oberkante dem M. obliquus superior und der A. ophthalmica benachbart und zieht nahe der Orbitawand nach vorn. Er ist der kräftigste Augenmuskel. Der M. rectus lateralis zieht nach vorn-lateral, ist hinten eng der Periorbita benachbart und vorne durch die Tränendrüse von ihr getrennt. Er wird oben von der A. lacrimalis und dem N. lacrimalis begleitet und liegt intrakapsulär der Insertion des M. obliquus inferior auf.
Der M. obliquus superior entspringt oben medial am Anulus tendineus communis, zieht in fast sagittaler Richtung nach vorn, orbitaseitig vom N. trochlearis und unten von der A. ophthalmica begleitet. Er geht hinter der Trochlea in eine runde Sehne über, die in der Trochlea ihre Verlaufsrichtung ändert, von dort nach hinten und lateral zieht (▶Abb. 1.16) und sich erst intrakapsulär auffächert. Die Sehne inseriert bulbusseitig des M. rectus superior in einer konvexen Linie größtenteils hinter dem Äquator, der äußeren oberen Vortexvene (▶Abb. 1.17) eng benachbart. Die Trochlea ist ein etwa 3 mm starker Knorpelring, der durch feste Bindegewebe am Stirnbein verankert ist.
Abb. 1.13 Insertionen der geraden Augenmuskeln (alle Angaben in mm). Sehnenlängen (im Kreis markiert), Insertionsbreiten und Distanz zwischen Insertionen und Limbus (Mittelwerte zwischen rechten und linken Augen nach [53]). Die Limbusabstände bei Neugeborenen betragen für den M. rectus medialis 3,9, für den M. rectus lateralis 4,8, für den M. rectus superior 5,0 und für den M. rectus inferior 5,2 ([75]).
Abb. 1.14 Lage der Augenmuskeln, rechtes Auge. (Quelle: Schünke M, Schulte E, Schumacher U. Prometheus. LernAtlas der Anatomie. Kopf, Hals und Neuroanatomie. Illustrationen von M. Voll und K. Wesker. 5. Aufl. Stuttgart: Thieme; 2018)
a Ansicht von kranial.
b Ansicht von vorne.
Abb. 1.15 Insertionen der Augenmuskeln. Etwas größere Distanzen zwischen Insertion und Limbus ergeben sich aus den Untersuchungen von Lang et al. (Datenquelle: [53]).
Der M. obliquus inferior entspringt als einziger Augen-muskel nicht in der Orbitaspitze, sondern von der Orbita unmittelbar seitlich des Tränennasengangs. In Ursprungsnähe dem Orbitaboden eng anliegend zieht der Muskel nach hinten-lateral. Im Bereich der Unterkreuzung des M. rectus inferior sind beide Muskeln untereinander und mit dem Ringband der Tenon-Kapsel verbunden, so dass eine Myotomie/Tenotomie am M. obliquus inferior keinen völligen Funktionsausfall bewirkt. Diese Kreuzungsstelle beider Muskeln gilt als Pulley des M. obliquus inferior [27]. Der Muskel inseriert hinter dem Äquator auf Höhe des horizontalen Meridians und erreicht fast das Makula-gebiet (▶Abb. 1.15) (▶Tab. 1.1, ▶Tab. 1.2).
Abb. 1.16 M. obliquus superior. Räumliche Zuordnung von Muskel und Sehne zu Trochlea und M. rectus superior. Längenangaben nach Lang et al. ([53], [54], [55]).





