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Hemmbänder

Die Haltebänder (Retinacula) bilden über die Tenon-Pforten eine durchgehende bindegewebige Verbindung zwischen Periorbita und Augenmuskeln. Sie werden bei Bulbusdrehungen gespannt, limitieren die Exkursionsfähigkeit des Bulbus und werden in dieser Funktion Hemmbänder genannt (▶Abb. 1.12). Dieser Hemm-Mechanismus verhindert, dass bei zu großen Blickexkursionen Gefäße und Nerven durch Zerrung oder Abknickung geschädigt werden.

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Abb. 1.12 Funktion der Hemmbänder.

1.1.4 Anatomie der Augenmuskeln
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Grundlagenliteratur

Messungen von Augenmuskeln und -sehnen, Insertionsabständen und -formen wurden mehrfach durchgeführt. Die Untersuchungen von Volkmann (1869, 30 Augen) [97], Fuchs (1884, 55 Augen) [35] und Motais (1903) [65] gelten ebenso als klassisch wie die Messungen an Neugeborenen durch Schneller (1899) [75]. Ausgedehnte Messungen wurden durchgeführt an den vertikalen Augenmuskeln durch Fink (1951, 100 Augen) [32], [33] und an allen Augenmuskeln durch Lang et al. (1980, 59 Augen) [53], [54], [55], Mühlendyck (1978, 27 Augen) [66], Apt (1980, 100 Augen) [1] und Stärk (1986, 1219 Augen) [89]. Abweichungen der Messergebnisse verschiedener Autoren ergeben sich dadurch, dass einige Autoren an Leichenaugen, andere intraoperativ gemessen haben. Auch stellt der Limbus keine scharf begrenzte Linie dar.

Im mittleren Drittel haben alle Augenmuskeln eine durchschnittliche Breite von 6–9 mm und eine Dicke von etwa 3 mm. Die Länge der geraden Augenmuskeln (ohne Sehne) beträgt etwa 37 mm, die der schrägen reicht von 30–35 mm. Wegen der unterschiedlichen Sehnenlängen der geraden Augenmuskeln liegt die Gesamtlänge (mit Sehne) zwischen 40 mm (M. rectus medialis) und 45 mm (M. rectus lateralis). Die 30 mm lange Sehne des M. obliquus superior ergibt mit der Muskellänge eine Gesamtlänge von fast 60 mm, während die Gesamtlänge des M. obliquus inferior wegen der kurzen Sehne (0–2 mm) nur 35 mm beträgt (s. ▶Tab. 1.1).

Der Abstand der Augenmuskeln von der Orbita variiert je nach Muskel und Ort innerhalb der Orbita und beträgt stellenweise nur 1–2 mm.

Die embryonale Entwicklung der Augenmuskeln ist an eine normale Entwicklung der Orbita gebunden, während die Ausbildung des Bandapparats davon unabhängig ist. Fehlbildungen der Orbita können also mit Dysplasien der Augenmuskeln einhergehen ohne entsprechende Missbildungen des Bandapparats. Auch eine Muskelscheide kann bei Augenmuskelaplasie vorhanden sein [47].

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Kompartimentierung von Augenmuskeln

Neue Arbeiten [28], [29], [78], [79] zeigen eine Kompartimentierung von Augenmuskeln, die sich bei bestimmten Augenbewegungen unabhängig voneinander kontrahieren sollen. Dieses Konzept erinnert an anatomische Studien, in denen für den M. rectus lateralis eine Aufteilung des N. abducens in einen oberen und einen unteren Ast nachgewiesen wurde [68]. Mittels Kernspintomografie wurde gezeigt, dass in einigen Fällen von Abduzensparese ausschließlich das obere Muskelsegment des M. rectus lateralis von der Muskelatrophie betroffen ist [17]. Die klinische Erfahrung zeigt aber, dass bei Abduzensparesen nur selten wesentliche Höhenabweichungen gemessen werden, die allerdings auch dadurch erklärbar sind, dass die resultierenden Kräfte der vertikalen Augenmuskeln sich außerhalb der Primärposition nicht mehr aufheben. Ähnliche Befunde werden für den M. obliquus superior beschrieben, bei dem separate Teiläste des N. trochlearis verschiedene Muskelsegmente innervieren sollen [56]. Bei einer Parese des M. obliquus superior sind kernspintomografisch auch Atrophien entweder des gesamten Muskelquerschnitts oder aber von Teilen des Querschnitts beschrieben worden [90]. Eine Korrelation mit klinischen Parametern, wonach eine Atrophie des medialen, vorderen Muskelsegments mit mehr Verrollungsabweichung, eine Atrophie des hinteren lateralen Muskelsegments mit mehr Vertikalabweichung einhergehen müsste, ist noch nicht gelungen. Dass hintere Tenotomien an den schrägen Augenmuskeln vornehmlich Einfluss auf die Höhenabweichung haben, vordere Tenotomien eher die Verrollungsabweichung bewirken, ist allerdings schon sehr lange bekannt.

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Muskelfasertypen

Augenmuskeln bestehen aus unterschiedlichen Fasertypen. Man unterscheidet Muskelfasern vom Fibrillenstrukturtyp (A-Fasern, dicke Muskelfasern), die große Endplatten (en plaque) dicker Nerven (> 7 µ) aufweisen und einfach innerviert sind. Sie werden bei schnellen, phasischen Augenbewegungen aktiviert und deshalb auch „fast-fibers“ genannt. Demgegenüber sind Fasern vom Felderstrukturtyp dünn (< 7 µ), multipel innerviert (en grappe) und leisten tonische Bewegungs- und Haltearbeit („slow-fibers“). Büttner-Ennever konnte nachweisen, dass die unterschiedlichen Fasertypen in einem Augenmuskelkerngebiert gruppiert sind und eine eigene supranukleäre Ansteuerung haben. Dies unterstreicht, dass unterschiedliche Fasertypen unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen haben (8, 9, 10, 11, 12, 13).

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Spezielle Anatomie der einzelnen Augenmuskeln

Alle geraden Augenmuskeln ziehen vom Anulus tendineus communis nach vorn zum Bulbus und durchziehen etwa 10 mm hinter der Insertion die Tenon-Pforte. Sie inserieren in einer zum Limbus hin konvexen Linie, so dass die Mitte der Insertion den geringsten Limbusabstand aufweist (▶Abb. 1.13, ▶Abb. 1.14a, b).