Косоглазие
Merke

Die Tenon-Pforten haben die Funktion von Umlenkschlaufen (Pulleys), die eine ausreichende Beweglichkeit des Muskels in Zugrichtung erlauben, aber den Muskelverlauf bei Blickexkursionen stabilisieren.

Im Bereich des Bulbusäquators ist die Tenon-Kapsel zu einem Ringband verdichtet, das den Bulbus gürtelartig umgibt (☐Abb. 1.8). Die geraden Augenmuskeln treten etwa 10 mm hinter der Insertion durch die Tenon-Kapsel und werden sowohl vor als auch hinter dieser Tenon- Pforte über mehrere Millimeter von der Tenon-Faszie umhüllt. Die Gesamtbewegung des Bulbus gegenüber der

Orbita wird auf mehrere Verschiebeflächen verteilt, so dass er sich zwar innerhalb der Kapsel, aber auch mit der Kapsel innerhalb des umgebenden Gewebes dreht.

Muskelscheiden und intrakapsuläre Fasern

Im hinteren Orbitadrittel werden die Muskeln nur durch ein zartes Perimysium umhüllt, das sich vorne verdichtet und eine Muskelscheide (Fascia muscularis) bildet. Beginnend am Anulus tendineus communis verbinden Bindegewebsfasern benachbarte Augenmuskeln untereinander (▶Abb. 1.3, ▶Abb. 1.4, ▶Abb. 1.8) und bilden die Membrana intermuscularis (Septum intermusculare), die bei Augenbewegungen den Abstand zwischen zwei Augenmuskeln stabilisiert. Die Muskelscheide des M. rectus superior ist an der (orbitaseitigen) Außenfläche mit der Faszie des M. levator palpebrae verschmolzen, so dass beide bei Lidhebung und Bulbuselevation zusammenwirken. Die Muskelscheide des M. obliquus superior geht im Bereich der Trochlea in eine „Sehnenscheide“ über. Als einziger aller Augenmuskeln ist der M. obliquus inferior über seine gesamte Länge von dichtem Bindegewebe umhüllt.

Bindegewebige Verbindungen zwischen Augenmuskeln und Ringband verhindern die völlig freie Beweglichkeit der Muskeln gegenüber der Tenon-Kapsel. Auch intrakapsulär bilden wesentlich feinere bindegewebige Verbindungen eine Membrana intermuscularis. Unter funktionellen Gesichtspunkten lassen sich noch die Adminicula (adminiculum, lat. = Stütze, Aufhängung) von Merkel und Kallius [58] abgrenzen, die sich um die bulbäre Seite des Muskels herum zur Tenon-Kapsel schlingen. Sie sind mit Episklera und Muskeln nur locker verbunden, lassen sich leicht nach hinten schieben und treten deutlich hervor, wenn die Tenon-Kapsel vom Bulbus abgehoben wird.

Haltebänder

Das Ringband wird über straffe Bindegewebsfasern, die Haltebänder (Retinacula bulbi), mit der Periorbita verbunden. Das etwa 10 mm breite und stärkste dieser Haltebänder, das Retinaculum laterale, setzt etwa 5 mm hinter dem lateralen Orbitarand an der Periorbita an und verläuft direkt hinter dem Lig. palpebrale laterale. Der untere Teil zieht nach vorne zum M. obliquus inferior und ist Bestandteil des Ligaments von Lockwood. Das Retinaculum mediale ist vom Lig. palpebrale mediale kaum abgrenzbar und erreicht unmittelbar vor dem Tränensack den medialen Orbitarand. Das Retinaculum superius strahlt vom Ringband in das Orbitadach aus. Das Retinaculum inferius zieht vom unteren Teil der lateralen Orbitawand fast waagrecht zur Kreuzungsstelle der beiden unteren Augenmuskeln und erreicht das Ringband am Vorderrand des M. obliquus inferior. Das Retinaculum inferius bildet mit dem medialen Teil des M. obliquus inferior einen fibromuskulären Bogen zwischen der medialen und lateralen Orbitawand, der zusätzlich über das Ringband mit beiden horizontalen Haltebändern verbunden ist.

Рисунок со страницы 20
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Abb. 1.11 Koronare MRT-Aufnahme kurz vor Eintritt des N. opticus in die Sklera bei derselben Person wie in ▶Abb. 1.10a, b. Bei ausgedehnten Blickbewegungen nach unten (a) bzw. nach oben (c) verändert lediglich der N. opticus seine relative Lage in der Orbita im Vergleich zum Geradeausblick (b), während die Muskelbäuche die ausgedehnten Bulbusexkursionen nicht mitmachen. Gezeigt wird die Stabilität der Muskelverläufe bei Blickbewegungen.

Die Haltebänder und das Ringband sind der Halteapparat des Augapfels, der innerhalb der Orbita so eingespannt ist, dass eine nahezu kardanische Aufhängung (s. (S.26)) resultiert. Die Zugrichtungen der einzelnen Augenmuskeln bewirken unterschiedliche Belastungen der Haltebänder. Alle 4 geraden Augenmuskeln üben einen zur Orbitaspitze gerichteten Zug aus, dem nur die 2 schrägen Augenmuskeln einen teilweise nach vorne gerichteten Zug entgegensetzen. Alle 6 Augenmuskeln, insbesondere die schrägen, ziehen den Bulbus medialwärts. Resultat ist eine nach hinten und nasal gerichtete Kraft. Dementsprechend ist das gesamte Haltesystem im lateral-vorderen Orbitabereich sehr kräftig ausgebildet.

Ligament von Lockwood

Die horizontalen Haltebänder mit dem Lig. palpebrale, der untere Teil des Ringbands, die Muskelscheiden und die Membrana intermuscularis der unteren Augenmuskeln werden unter funktionellen Gesichtspunkten zum Ligament von Lockwood zusammengefasst. Im Vergleich zur Kraft der Augenmuskeln ist das Augengewicht gering und würde ein derart kräftiges Bandsystem als Suspensorium (sog. Hängematte des Auges) nicht erfordern. Dem Ligament von Lockwood unter dem Bulbus entspricht ein analoges Fasersystem, das über dem Bulbus die mediale Orbitawand mit der lateralen verbindet (superior/inferior transverse fascial expansion von Fink [32], [33]).